Kishor Sridhar – persönlich

Kishor Sridhar lebt mit seiner Ehefrau und seinen drei Kindern in München. Er wuchs (meistens) in Deutschland als Sohn eines indischen Wissenschaftlers und einer deutschen Angestellten auf. Sein zweiter Vorname lautet Helmar, aus der deutschen Sagenwelt.

Er lebte in Indien, den USA und zuletzt in Russland, dem er sich bis heute sehr verbunden fühlt. Er liebt moderne Kunst der 20er und 30er Jahre und erfreut sich nach Feierabend gerne an deutscher und internationaler klassischer Literatur, sowie an indischen und westlichen philosophischen Schriften.

10 Fragen an Kishor Sridhar

Wenn der Tag 25 Stunden hätte, was würden Sie mit der zusätzlichen Stunde machen?

Ich würde lesen! Ich lese bereits viel, aber zwischen Beruf, Vorträgen und Familie kommt das doch immer noch zu kurz. Es gibt so viele interessante Bücher auf der Welt zu entdecken!

Mit welchen Philosophen würden Sie sich gerne mal unterhalten?

Definitiv Karl Popper! Seine Erkenntnistheorie rund um den irrationalen Rationalismus und die Falsifizierung inspirieren mich immer wieder in meiner Arbeit. Ich würde mich mit Karl Popper gerne über die gesellschaftlichen Herausforderungen in Deutschland unterhalten. Seine Arbeiten zur offenen Gesellschaft sind meines Erachtens heute wichtiger als je zuvor. Aber auch den großen indischen Philosophen Jiddu Krishnamurti hätte ich gerne kennengelernt. Er hat in seinem Denken uns immer wieder auf die wahre Natur des Menschen zurückgeführt, ein moderner, humanistischer Stoiker. Sehr spannend!

Was war Ihr Traumberuf als Kind?

Wie die meisten Kinder wohl Lokführer. Das hat dann ja nicht ganz geklappt. Aber dafür fahre ich jetzt immer hinten mit, bin also nach wie vor begeisterter Bahnfahrer.

Woher holen Sie sich Inspirationen?

Bei Kindern! Sie sind spontan und bringen ihre Gefühle viel mehr in ihr Handeln ein. Eigentlich sind wir alle Kinder. Wir versuchen nur ab einem gewissen Alter so zu tun, als würden wir rational handeln und von der Vernunft bestimmt sein. Im Alter bricht dann wieder das Kind in uns durch. Jede Führungskraft sollte intensiv Kinder beim Spielen beobachten. Man lernt viel mehr über die menschliche Natur als in jedem Führungskräfte-Training.

Was ist für Sie Heimat?

Mein Deutschlehrer Bernhard Hartmann sagte immer, Sprache ist Heimat. Da hat er Recht. Ich arbeite und schreibe viel in Deutsch. Andererseits sprechen meine Frau und ich bis heute Englisch miteinander und ich arbeite viel in Englisch und auch mit meinen indischen Verwandten rede ich Englisch. Damit wären Deutschland und der englische Sprachraum meine Heimant. Aber ich würde das ergänzen. Heimat ist nicht nur Sprache, sondern auch dort, wo man geliebt wird und das ist letztlich für mich die Familie.

Ihre Frau ist Russin und Sie haben eine Zeit lang in Russland gelebt. Was können wir Ihre Meinung nach von Russland lernen?

Was ich gelernt habe ist, Hindernisse nicht als unüberwindbar zu sehen. Russen verstehen es oft mit ganz geringen Mitteln eine Menge aufzubauen. Diese Tugend haben sie in der Not gelernt, wir sollten uns aber daran ein Beispiel nehmen. Man kann mit so wenig oft so viel erreichen. Wir können aber auch von Russen den Familiensinn neu erlernen. Der war früher stärker, ging uns in Deutschland aber ein wenig verloren. Familien sind das Fundament unserer Gesellschaft!

Was lieben Sie an Ihrem Beruf?

Die vielen Möglichkeiten unterschiedliche, interessante Menschen zu treffen. Ich liebe auch die Vielfältigkeit. Schreiben, Vorträge halten, forschen, beraten. Das sind soviele Aspekte, die ich gerne mache. Ich habe eigentlich einen wundervollen Beruf.

Welche Charaktereigenschaft ärgert Sie an Ihren Mitmenschen?

Mich ärgern Menschen, die für jede Lösung erstmal ein Problem suchen. Wobei ich mich steng genommen nicht über sie, sondern für sie ärgere. Sie vergeuden ihre wertvolle Lebenszeit. Anstatt erstmal das Mögliche, das große Ganze zu entdecken, bremsen sie sich bereits zu Beginn selbst aus. Damit legen sie sich selbst Steine in den Weg. Schade.

Wie entspannen Sie sich nach einem anstrengenden Tag?

Ich spiele oder plaudere mit meinen Kindern. Da bin ich sofort in einer anderen Welt. Oder ich laufe im Wald. Da kommt der Geist zur Ruhe und ich schöpfe sofort neue Ideen.

Sie sind Halb-Inder und Halb-Deutscher? Was bei Ihnen ist eher indisch, was deutsch?

Deutsch ist definitiv meine Pünktlichkeit. Unpünktlichkeit ist für mich Zeitdiebstahl. Ich bin ziemlich Deutsch, was die Art angeht, akkurat zu forschen und Dinge zu verstehen. Ebenso was die Liebe zur Deutschen Literatur angeht. Wobei mir aufgefallen ist, dass die deutsche Literatur im Ausland höher im Kurs steht, als bei vielen Deutschen selbst. Gerade Inder schätzen deutsche Schriftsteller sehr, vielleicht bin ich da also Inder. Indisch ist definitiv auch mein Temperament, mein Humor und meine Art des Querdenkens und das Verständnis für die Gefühle der Menschen.

Kishor Sridhar hat 4,84 von 5 Sternen | 28 Bewertungen auf ProvenExpert.com